MUSEUM BRANDHORST

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Artworks: ©Cy Twombly Foundation

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LAUDATIO

von
JOHANNES LOTZ

Künstler

Seit nunmehr fünf Jahren erkundet Christopher Gebray Dinge, Menschen und Kunstwerke aus seiner Umgebung mit den Medien der klassischen Mal- und Zeichenkunst. Als Künstler ganz und gar Autodidakt, legt er dabei eine höchst ungewöhnliche Energie an den Tag, und zwar Tag um Tag um Tag um Tag. Er malt und zeichnet an so unterschiedlichen Orten wie dem Starberger See, dem Isarufer, Äthiopien und anderen Reisezielen, in einem offenen Atelier und schließlich in den einschlägigen Museen für alte und neue Kunst der Stadt München, deren Stammgast er ist. Dort hat er sich bereits Sonderrechte auf einen eigenen Stuhl oder das Abzeichnen von Originalradierungen alter Meister "erzeichnet". Die Früchte seiner Arbeit teilt der Künstler mit einer Begeisterung, die ansteckend wirkt und das Interesse von Passanten, Museumsbesucherinnen, dem Aufsichtspersonal oder auch gleich mal dem Direktor der Sammlung weckt. Das Interesse Gebrays für seine Umgebung weckt also offensichtlich das Interesse seiner Umgebung, was ja erst einmal ein ganz natürlicher Vorgang zu sein scheint, aber in Wirklichkeit - präziser: in der heutigen Wirklichkeit - ein sehr ungewöhnlicher Vorgang ist. Warum das?

Die Dinge und Menschen unserer physischen Umgebung rücken seit Jahren und Jahrzehnten immer mehr in den Hintergrund. Diese Bewegung der Verdrängung und Verblassung des Unmittelbaren durch mediale, digitale Signale und Bilder scheint sich fortwährend zu potenzieren. An vielen Orten ist es kaum mehr möglich, nicht in einen Bildschirm zu schauen, so dicht sind sie überall platziert. Aber auch ohne solche architektonischen Prägungen scheint sich das Netz der Zeiträume, die wir vor Bildschirmen verbringen, beschleunigt durch die Pandemie, in Extremfällen bald nahtlos zu verketten.

Ich möchte an dieser Stelle allerdings nicht weiter auf die Gefahren dieser Entwicklung hinweisen, sondern vielmehr mit dem Künstler Christopher Gebray ein leuchtendes Beispiel davon zeigen, welche Kraft gerade heute in einer konsequenten, sorgfältigen und begeisterten - in diesem Falle bildnerischen - Hinwendung zur unmittelbaren physischen Umgebung liegen kann. Da dies gerade kaum jemand zu tun scheint, wird es selten und kostbar und erzeugt eine zuweilen kopfschüttelnd-staunende Aufmerksamkeit von Zeitgenossen, die wir einen Künstler, der etwas traditionell im Grunde Selbstverständliches tut, wie einen schillernden, aus der Zeit gefallenen Exoten erleben. Mit seiner Kunst zeigt Christopher Gebray dabei eine brandaktuelle, eigentlich sehr einfache und vor allen Dingen schöne Antwort auf die brennende Frage, wie wir als Menschen in einer realen Umwelt unsere Sinne wieder mit mehr Wirklichkeit füllen könnten.

Johannes Lotz

EXHIBITION 1.0

28.JUNI 2019 BIS 06. JULI 2019

WERKSTATT GALERIE
Zentnerstrasse 3  I  80798 München
www.werkstatt-galerie-muenchen.de